|
Änne Kuntze-Süchtings Projekt
Weg aus dem Schweigen Bei meinen Aufenthalten in Huachipa, der Behinderteneinrichtung von Campoy, lernte ich 2006 zwei sehr engagierte peruanische Lehrerinnen kennen. Wir freundeten uns an, und ich besuchte sie in ihrer kleinen Wohngemeinschaft in St. Martin am anderen Ende von Campoy in Lima. Wie überrascht war ich, als dort immer wieder verzweifelte, gehörlose Jugendliche vor der Tür standen. Sie hatten in ihrer evangelischen Kirchengemeinde meine Freundinnen kennen gelernt und sich an sie gewandt, weil sie perfekt die Gebärdensprache beherrschen. In rührender Weise bemühten sich meine Freundinnen ihnen bei den unterschiedlichen Problemen zu helfen. In ihrem Wohnzimmer boten sie sogar regelmäßige Treffen an, weil immer mehr Gehörlose bei ihnen einen Halt suchten. Alle waren sie in einer verzweifelten Notlage, weil sie nach ihrem Schulabschluß als Gehörlose keine Arbeit fanden, was in einem Land ohne jegliche Sozialhilfe oft genug hungern und letztlich betteln bedeutet. Alle träumten von einer Einrichtung, wo sie unter Anleitung etwas herstellen konnten und Geld verdienten. Das unermüdliche Engagement der beiden Frauen und die unendliche Not der Betroffenen hatte mich tief beeindruckt, und ich wollte helfen, diesen Traum zu erfüllen. Die Behindertenproblematik ist mir durch meine 30-jährige Arbeit mit geistig Behinderten in Hamburg sehr vertraut So genannte beschützende Werkstätten sind in unserem Lande hier selbstverständlich. Es gelang mir, liebe Spender in Deutschland zu überzeugen, so dass wir schon im nächsten Jahr einen Raum mieten konnten und eine Werkstatt einrichteten mit Maschinen zur Herstellung von Besen, die dort sehr gefragt sind. Wir fanden auch weitere tüchtige Mitarbeiter, die vorbildliche Lehrer sind und die Arbeit weiter entwickeln. Besonders bedürftige Jugendliche stellen jetzt in der Woche bis zu 600 unterschiedliche Besen her, die mit Hilfe von Mitarbeitern am Wochenende mit Lastenfahrrädern auf den Märkten verkauft werden. Es hat sich herausgestellt, daß die Werkstatt eine gute Ausbildungsstätte ist, und dadurch schon einige Jugendliche einen Arbeitsplatz in Lima bekommen haben. Mich beeindruckt es sehr, wie vielseitig der eine Werkstattraum genutzt wird, obgleich er kaum größer als eine Garage ist. Am Feierabend wird aufgeräumt , dann ist Platz für viele . Hier trifft man sich regelmäßig in der Woche und am Wochenende. Ich konnte miterleben , wie dort auch gefeiert wird und welche Lebensfreude sich oft ausbreitet. Der Gewinn der Besenproduktion reicht für einen bescheidenen Verdienst und für die Materialkosten. Alle anderen Ausgaben müssen über Spenden finanziert werden. Ein Anfang ist gemacht, aber natürlich träumen wir weiter von einer Werkstatt, die noch mehr Gehörlosen einen Lebensunterhalt verschafft oder sie in unterschiedlichen Fertigkeiten ausbildet. Eine Hilfe zur Selbsthilfe. Dieses Projekt nenne ich in Deutschland „Weg aus dem Schweigen“ und freue mich sehr, dass jetzt auch Spenden mit dem Hinweis auf diesen Verwendungszweck über den Verein Herederos steuerlich absetzbar sind. Aenne Kuntze-Süchting
|