Hilfe für Kinder und Jugendliche in den Anden

Überwindung von Armut durch Bildung

Entstehungsgeschichte

Im Rückblick ist der Werdegang der Herederos eine Wirkungsgeschichte, die schon viele Jahre vor der Eintragung in das Register gemeinnütziger Vereine beim
Amtsgericht Köln ihren Anfang nahm.

1963-1973

gab es in Köln das sogenannte politische Nachtgebet, eine auf Dorothee Sölle und Fulbert Steffensky zurückgehende ökumenische Veranstaltung, die bis heute einflussreich
geblieben ist. Einige der darin engagierten Menschen hatten sich zum „Arbeitskreis Entwicklungshilfe“ zusammengefunden und mit dem Thema „Teufelskreis Entwicklungshilfe“
die offizielle Entwicklungshilfe als riesiges Geschäft kritisiert, was es im Grunde bis heute geblieben ist. Unter den Mitgliedern und Spendern der Herederos finden sich bis heute
noch lebende Freunde von damals und erfreulicherweise auch in der nächsten und übernächsten Generation!
Damals ging es vor allem darum, Bewusstsein und Verständnis für die gesamte Problematik zu erweitern und dann natürlich auch – noch vor dem Zusammenschluss in Vereinsform
– , wie konkret im Einzelfall unabhängig von den offiziellen Organisationen vor allem Menschen in den Slums großer Städte geholfen werden kann. Der Leitfaden dafür heißt bis heute: „Überwindung von Armut durch Bildung“, Zielgruppe: Kinder, möglichst schon direkt nach der Geburt, deren Eltern und natürlich dann die Heranwachsenden (das
brasilianische Wort für Kinder C r i n c a s bedeutet nichts
anderes als das).

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1980

Ein erweiterter Freundeskreis gründet wie an vielen anderen Orten in Deutschland auch in Köln die „Initiativgruppe Friedensarbeit“. Durch eine gute Fügung ergibt es sich, dass in diesem Kreis der deutsche Pädagoge Franz Ecker und seine peruanische Frau Ana Ledesma von ihrer Arbeit in den Slums von Lima/Peru berichten, genau: von dem im Aufbau begriffenen Bildungs- und Sozialwerk Campori. Die beiden koppelten den Begriff „Entwicklung“ an die Entwicklung e i n e s Menschen, beginnend mit dem Zeitpunkt seiner Geburt in dieser menschenunwürdigen Umgebung. Es war die Initialzündung für das bis heute weiter wirkende Engagement für arme Kinder in Südamerika. Überzeugend war vor allem das Credo von Maria Montessori „Hilf mir, es selbst zu tun“, und so war es stimmig, dass es konkret mit einem Basar in der Montessori-Schule in Köln begann, organisiert von der Lehrerin Liesel Schäfer, gemeinsam mit der unermüdlichen Lucie Neumann, deren Haus in Köln-Sürth lange Zeit Mittelpunkt der Hilfen für die Schützlinge von Franz und Ana war.
Unter dem schönen Begriff Solidarität reihten sich die alten Kölner Freunde ein in das sich ständig erweiternde Netzwerk sowohl auf deutscher als auch auf peruanischer Seite.
Nach dem ersten Kindergarten Mama Elsa, genannt der Mutter von Franz Ecker, die dafür ihr Sparbuch geopfert hatte – entstanden nach und nach dezentral in den Slums der Riesenstadt Lima, Grundschulen und weiterführende Schulen, eine Berufsschule sogar – eine Seltenheit dort – eine Schule für behinderte Kinder und eine Auffangstation für einige der jährlich ca. 30.000 Mädchen, die bereits im Kindesalter Kinder bekamen. Allesamt Zeichen der Hoffnung in einer schier hoffnungslosen Situation. Mittlerweile ist das Bildungs- und Sozialwerk – auf Spanisch Solidaridad Peru Alemania – Heimat für insgesamt etwa 4000 Menschen im Großraum von Lima, und die ca. 12 Institutionen stehen dank
strikter Selbstorganisation weitesgehend auf eigenen Füßen.

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1992

Die junge Architektin Sarah Höflich, Tochter von Egbert und Mechthild, die im politischen Nachtgebet maßgeblich mitgearbeitet hatten, lernte im Studium Oscar Duque kennen. Er entstammt einer kolumbianischen Kleinbauernfamilie. Seine Heimat ist La Cocia, ein Urwaldsee an der Wasserscheide von Pazifik und Atlantik im andinen Hochland im Süden von Kolumbien in der Provinz Narinio, nur wenige 100 km von den Grenzen nach Ecuador und Peru.
Die beiden heiraten, und dass sie kurz danach nach Kolumbien ziehen hat einen besonderen Grund: die Familie Duque hatte eine Selbsthilfeorganisation von
Kleinbauern ins Leben gerufen, genannt ADC (Asociación Desarrollo Campesino). Es ist ein ökologisches Projekt mit dem Ziel Bewahrung der natürlichen Ressourcen und Biodiversität und Vermeidung von Landflucht.

Schon bald hatte sich bei den Kindern der Wunsch geregt, es ihren Eltern nachzumachen, sie nannten sich Herederos del Planeta, auf Deutsch: Erben der Erde, organisiert von der ADC trafen und treffen sie sich regelmäßig um – meist unter Anleitung von Studenten – den Reichtum ihrer Umwelt zu  erforschen, ergänzend zu dem mangelhaften und wenig motivierenden Unterricht in den ländlichen Schulen. Sarah überzeugte ihre Eltern, mit ihren deutschen Freunden eine Initiative ins Leben zu rufen, um für diese Kinder ein großes Stück Wald bei La Cochia zu erwerben, um darin eine Art Naturschule zu bauen, ein Bildungszentrum für Kinder, darüber hinaus ein Ort mit einem Ambiente, welches dem kindlichen Wunsch nach Geselligkeit und Spiel entspricht. Die Freunde, von denen viele zu den Unterstützern der Arbeit in den Slums von Lima gehörten, spürten wohl, dass analog des Engagement des Deutschen Franz Ecker und seiner peruanischen Frau Ana die Liebe zweier Menschen aus den unterschiedlichen Kulturen eine wunderbare Triebkraft
entwickelte, mit Lebensfreude und Bildung die desolate Situation von Menschen zu überwinden.

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1995

In Kolumbien konnten ca. 360 ha Wald gekauft werden und auf einer Halbinsel im See von La Cochia zusammen mit den Herederos unter Sarahs Anleitung und nach ihren Plänen die Naturschule gebaut werden, von deren Kosten ein erheblicher Teil vom Kindermissionswerk Aachen Die Sternsinger beigesteuert wurde. Nicht unerwähnt bleiben sollte, dass auch Projekte in Peru von den Sternsingern
gefördert wurden.

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ab 1996

Deutsche Freunde besuchen bis heute regelmäßig auf eigene Kosten die von ihnen geförderten Projekte in Peru und Kolumbien, das sinnliche Erleben vor Ort und die Schilderungen der Reisenden nach ihrer Rückkehr hatten und haben einen großen Anteil daran, die Bereitschaft zum Spenden zu erhalten und zu fördern.

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1996

Peter Busmann besucht die Herederos in Kolumbien, ist beeindruckt von der Funktion der neu gebauten Naturschule und überhaupt von der Arbeit der Bauernkinder, ist aber auch mit dem Problem konfrontiert, dass älter werdende Jugendliche keine Möglichkeit haben, sich – trotz Neigung und Begabung – in einem Studium ihrer Wahl in der Provinzhauptstadt weiterzubilden, weil ihnen dazu die ca. 130 € Lebenshaltungskosten und Studiengebühren etc. pro Monat
schlicht und einfach fehlen. Gemeinsam mit Martha Chaves und Vincente Revelo vom ADC und natürlich Sahra und Oscar wird ein Stipendien-Modell erarbeitet, das – ausgestattet mit einem Anschubkapital, ergänzt durch relativ geringe laufende individuelle Zuwendungen, von den deutschen Herederos – auf der alten indianischen Lebensform der Minga basiert. Heute (2012) kann man rückblickend
sagen: es funktioniert.

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2000-2005

In 5-jähriger Arbeit entsteht von der ersten Skizze auf entagonalem Grundriss bis zur Einweihung das Autitorio Egon Kraus (genannt nach dem bedeutenden deutschen Musiker Professor Egon Kraus, der mit seiner Frau mit einer großzügigen Spende den Bau des pädagogischen Instituts, in dessen Mitte das Auditorio jetzt steht, ermöglicht hatte): Die Baukosten betrugen weniger als 150.000 $, weil er im Eigenbau errichtet wurde, praktisch ohne Firmen, ermöglicht
durch den selbstlosen Einsatz des Bensberger Ingenieurs Gerhard Horz – unterstützt von seinem Sohn Andreas – der als gelernter Zimmermann nicht nur als Konstrukteur, sondern auch als Vorarbeiter für die meist ungelernten Arbeiter
fungierte.

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seit 2003

Änne Kutze-Süchting engagiert sich nach ihrer Pensionierung als Leiterin eines Sonderkindergartens in Hamburg-Rissen für die Belange behinderter Jugendlicher in Lima und schafft die Existenzgrundlage einer Selbsthilfegruppe von gehörlosen
Jugendlichen unter dem Namen Rompio el Silencio – Weg aus dem Schweigen.
Dies war nur möglich durch von ihr akquirierte Spenderinnen und Spender, allen voran Frau Eva Kruse aus Hamburg.

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seit 2003

verwaltet auch der deutsche Förderverein die Spenden für die Projekte in Peru ab jetzt unter dem Namen
Herederos de Planeta – Erben der Erde - Köln e.V.,
Gemeinnütziger Verein zur Unterstützung von Kindern
und Jugendlichen in den Anden
.

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in 2003

Unbekannte zerstören die von Sarah gebaute Naturschule in La Cocia, der Mord an einem befreundetet Bauernführer des ADC ist bis heute nicht aufgeklärt. Die Gründer des ADC haben sich nach Kanada „abesetzt“, die Zurückgebliebenen
arbeiten so unauffällig wie möglich weiter.

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2005

In Peru: Beginn des Projektes in Raucana mit dem schönen Titel La vida en el primer lugar – das Leben an erster Stelle. Der von Steffi und Thomas Dohrmann initiierte und teils selbst mitgebaute Kindergarten Paraiso wird fertiggestellt
(inmitten eines Friedhofs gleichen Namens, in dem Menschen sich Behausungen aufgebaut haben. Steffis Vater, Helmuth Uther aus Cuxhaven, führt seitdem im Vorstand der Herederos (bis Ende 2012) die Geschäfte des Schatzmeisters.

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2006

Auf Einladung des ADC besuchen Hans Ecker und Peter Busmann die Herederos in Kolumbien, um mit den Freunden einen möglichen Wiederaufbau der zerstörten Naturschule zu beraten. Man kommt zu dem Schluss, in der gefährlichen Gegend erst einmal nichts zu machen und stattdessen an einem anderen Ort – als Erweiterung eines schönen alten Bauernhauses in Nukanchi in traditioneller Bauweise in Lehm, Ziegeln und Holz neu zu bauen.

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2008

Beginn der Arbeiten in Nukanchi, die Schule bekommt bei ihrer Einweihung 2010 den Namen Centro para formacion integral, ein Raum wird nach der Spenderin Eva Kruse genannt. Ein großer Teil der Kosten wird auch bei diesem Projekt vom Kindermissionswerk Die Sternsinger in Aachen übernommen.

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2009

Ana Ledesma, mit ihrem Mann die Schöpferin des Bildungs- und Sozialwerks Campoy, stirbt nach kurzer schwerer Krankheit. Die Bilanz ihres Lebens ist wunderbar: fast alle Projekte arbeiten autonom.

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2010

Die Schweizerin Dorothee Raas (Beirat im Vorstand der Herederos) übernimmt mit dem von ihr gegründeten Verein Gotas de Agua die Trägerschaft des Projektes in Raucana.

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2011

Pläne für das einsturzgefährdete Zentrum des ADC in der Provinzhauptstadt Casto in Kolumbien, dringend: Klärung der Finanzierung dieses notwendigen Projektes.

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2012

Nach der Mitgliederversammlung am 10. Oktober in Köln setzt sich der Vorstand der Herederos wie folgt zusammen:
Sprecher: Peter Busmann, Änne Kuntze-Süchting, Margret Bischoff (Schatzmeisterin)
Im Beirat: Sarah Höflich für Kolumbien und Dorothee Raas für Peru, das Ehepaar Gerhild und Ulrich Schiller aus Kosel, Schleswig-Holstein, erklärt sich zu aktiver Mitarbeit bereit.

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Verfasser:
Peter Busmann, 1. Vorsitzender