Hilfe für Kinder und Jugendliche in den Anden

Überwindung von Armut durch Bildung

Die Herederos und ihre Freunde

25.10.2016

Der deutsche Verein Freunde der Herederos unterstützt seit 20 Jahren die kolumbianische Jugendorganisation Herederos del Planeta ( Erben der Erde).

Die Heredero Bewegung ist vor 25 Jahren entstanden. Herederos ist ein Programm des ADC, der NGO zur Bäuerlichen Entwicklung, die in den Anden Südkolumbiens arbeitet. In der Provinz Nariño gibt es 12 Heredero Gruppen, jede von Ihnen zählt zwischen 15 und 50 Kinder. Die Gruppen sind auf 6 Gemeinden verteilt, in unterschiedlichem klimatischen und geografischem Kontext (Stadtnähe, Strassen,..)

Im ADC ist die Selbstbestimmung und Eigeninitiative der Bauernbevölkerung neben der Ökologie das wichtigste Prinzip. Die Herederos wollen eine nachhaltige Entwicklung in ihren Familien und Regionen, und gleichzeitig sollen die Kinder und Jugendlichen mehr über ihr Leben bestimmen, und Traditionen mit neuen Möglichkeiten bei ihrer Berufsvorbereitung verbinden.

Generationenwechsel relevo generacional ist ein Wort, dass die Herederos oft benutzen. Damit ist gemeint, in welcher Weise die junge Generation sich entfaltet. Der Ansatzpunkt ist das Landkind, der Jugendliche, die/ der Erwachsene. Die Arbeit der Herederos ist lokal, die Ziele langfristig ausgerichtet. Es geht ums Überleben in der eigenen Parzelle, um den Zusammenhalt und Austausch mit Anderen und um den Respektvollen Umgang mit sich selbst und der Natur.

Die Landbevölkerung Kolumbiens ist historisch in einem Dilemma:

Kleinbauern befinden sich in einer tragischen Situation. Viele von ihnen leben ohne Unterstützung und Zugagng zu Märkten, Infrastruktur, schutzlos gewalttätigen Kartellen ausgeliefert. Ignoriert von einer verfehlten Agrarpolitik.

Kinder, die auf dem Land aufwachsen, müssen bei ihren Eltern früh mitarbeiten. Bildung geht oft nicht über die Grundschule hinaus.

Bessere Schulangebote gibt es in stadtnahen Dörfern. Manche Eltern finanzieren einzelnen Kinder unter großen Opfern den Besuch höhere (Sekundar) Schulen mit der Idee das diese ein besseres Leben fern der Heimat führen werden.

Geschwister oder jene Kinder, die zurückbleiben, setzen die Routine der Eltern fort;oft frustriert, denn die Unterentwicklung und Armut der Klein Bauern ist eine Konstante. Nicht selten verdingen sie sich in Leiharbeit in Drogen- oder Kriegs gebieten.

Das Programm der Herederos will das Dilemma überwinden, und viele Erfolge sind inzwischen sichtbar:

Selbstbestimmung und Recht auf Freizeit sprechen Kinder und Jugendliche überall an, auch in Kolumbien. Die Herederos gruppieren sich in Gegenden, wo es üblicherweise keinerlei Freizeitangebot gibt. Die Begeisterung von Kindern und Jugendlichen entzündet auch solche Familien, die dem ADC oder dem Engagement in Gemeinden zunächst kritisch gegenüberstanden- aus Sorge, dass den Kinder womöglich der Kopf verdreht würde und sie dann schenll das Weite suchen würden.

Familien und Kinder, die sich im ADC engagieren, sind interessiert an der gemeinsamen Arbeit: der Generationenwechsel ist notwendig, um als Bauern weiterzumachen, um die Familie zu ernähren, um selbständig zu sein. Über den Zusammenhalt und die Erschließung eigener Märkte wird die Selbstversorgung einfacher.

Die Parzellen sind klein, und oft unergiebig, machmal nicht einmal ausreichend für die Selbstversorgung. Dank ökologischer Landwirtschaft sind heute Böden regeneriert, und Ernten sind zahlreiher und vor allem vielfältiger, da sehr viel gemischter Gartenbau betrieben wird.

Das Besondere an jedem Ort wird geschätzt und genutzt. Mit mehr Wissen werden die Umwelt und die ländliche Umgebung von Sackgassen zu Chancen. Im Besonderen in Gebieten, die für den Tourismus attraktiv sind, sind viele Herederos als Umweltführer aktiv, andere Herederos wenden ihre Ausbildung an machen empirische Studien über Artenvielfalt von Flora und Fauna.

Dank ausgeglichener Ernährung sind die Herderos und ihre Familien gesünder. Ihre Essgewohnheiten wahren Traditionen, aber sind wesentlicher reichaltigen und abwechslungsreicher als die der vorherigen Generationen. Auch sind viele Herderos heute ausgebildete Koch oder Servicekräfte.

Um die Region zu entwickeln, sind nicht nur Landwirtschaft, sondern auch andere Aktivitäten und Berufe notwendig. Durch das Programm, das von Deutschland unterstützt wurde, sind viele Jugendliche heute nicht nur stolze Absolventen von Universitäten oder Techniker, sondern auch weiterhin aktiv bei den Herederos, oft als Trainer, Coach oder als Referenten. Das beiliegende Video, welches mit Hilfe ehemaliger Stipendiaten erstellt wurde, bezeugt dies eindrucksvoll.

Heute funktioniert die Community-Arbeit vor Ort, auch über das Angebot des ADC hinaus. Die Familien suchen Rat, der ihnen zusteht: von den Behörden, von Landwirschaftsinstituten, von Gemeindepolitikern. Das „Selbst entscheiden“ ist ein erster Schritt, und schnell ist man auch bei solidarischem Engagement, das Generationen (Kinder und Alte) und Nachbarn miteinbezieht.

Ein Generationswechsel hat stattgefunden. Die ersten Herederos sind heute Familienväter und Mütter. Sie verkörpern den Weg vom Wie zum Warum: Während Ihre Eltern ihnen vor allem das handwerkliche Können vermittelteten, das WIE man wirtschaftet, erweitern sie diese Tradition, kultivieren nicht nur das Land und die Tiere, sondern das WARUM- die Fragen und Neugier ihrer Kinder.

Auch der deutsche Verein hat einen Generationenwechsel erlebt. Meine Mutter und Gründerin Mechthild Höflich und Erich Schallus sind bereits von uns gegangen. Heute besucht uns Gertud Linz, die nach Mildas Tod den Verein leitete sie würde sagen „am Laufen hielt“. Viele andere treue Freunde der Herederos haben sich jahrelang engagiert, gespendet und an die Bewegung geglaubt. Manche erinnern noch das Zusammenkommen mit Marta, Cecilia und Vicente in Köln. Familie Busmann hat den ADC mehrfach besucht und den Kreis der Freunde nach Norddeutschland erweitert. Das ist positiv!

Wir haben das Glück, mit dem ADC und den Herederos in regelmäßigem Kontakt zu stehen, und freuen uns, dass die Initiative auf vielen starken Schultern ruht. Sie ist ein Quell der Hoffnung und Energie. Im beiliegenden Video sehen wir auf stolze kleine und große, junge und alte Herederos. Viele wohnen in Dörfern, andere engagieren sich beruflich für den ländlichen Raum. Die Kinder, die früher vorsichtig davon träumten, einmal einen Beruf zu haben, sind heute selbstbewusste junge Menschen.

Die Herederos sprechen oft von den Samen, die es zu hüten gilt, damit sie die groß werden und Früchte tragen. Kolumbien hält den traurigen Weltranglistenplatz 2 mit fast 5 Millionen Flüchtlingen im eigenen Land (wikipedia). Die meisten Flüchtlinge sind ländlicher Herkunft. Heute, nach Jahrzehnten von Krieg, Gewalt und Flucht scheint der Frieden endlich nah. Die Regierung unterzeichnete Verträge und es wird ein Referendum geben. Die Herederos stehen für ein Leben ohne Angst und mit Engagement vor Ort. Sie können den Frieden greifbar machen.

Wir möchten den Herederos und ihren Freunden gratulieren. Animo, weiter so! Wilberhofen, August 2016

https://www.youtube.com/watch?v=yWbVjxOgC34